Schmöker des Monats

Die Logik des Misslingens: strategisches Denken in komplexen Situationen.

Dietrich Dörner (2014)


Ein Buch darf zum Klassiker werden, wenn seine Inhalte auch Jahrzehnte nach der Veröffentlichung nicht an Aktualität und Brisanz verloren haben. „Die Logik des Misslingens“ von Dietrich Dörner ist so ein Klassiker, denn auch heute macht der Homosapiens noch einiges falsch sobald er in komplexen, vernetzten Systemen Entscheidungen treffen soll.

Schmöker des Monats

Beispiele dafür bringt Dietrich Dörner genug, unter anderem das Reaktorunglück in Tschernobyl. Welche Denk- und Handlungsvorgänge er dafür als ausschlaggebend sieht, beschreibt er in der „Logik des Misslingens“ anschaulich und erschreckend einleuchtend. Natürlich ist diese Katastrophe – zum Glück – eine Ausnahme. Jedoch birgt sie gleiche Entscheidungsmuster in sich und zeigt, wie starr der Mensch seinen vorgefertigten Abläufen folgt, ohne sie zu reflektieren und entsprechend anzupassen.

Um diesen Mustern näher auf die Spur zu kommen und wissenschaftlich zu belegen, entwickelte Döner eine Reihe von Computersimulationen mit Versuchspersonen, die mit einem komplexen, vernetzten und dynamischen System konfrontiert werden und darin verschiedene Aufgaben lösen müssen. Die Versuchspersonen werden beispielsweise zu Entwicklungshelfern bei dem Volk „Moros“ in „Tanaland, zu Bürgermeistern in der Stadt „Lohhausen“ oder sollen als Feuerwehrmann bei einem Waldbrand oder als eine Technikerin in einem Kühlhaus fungieren.

Nach jedem Simulationsexperiment analysiert Dörner das Verhalten der Versuchspersonen und beschreibt daraus die verschiedenen Mechanismen, die Menschen letztendlich zu Fehleinschätzungen und Fehlverhalten führten.

Die Ergebnisse klingen wie Hiobsbotschaften: falsche Auffassung von Zeitverläufen, reines Reparaturverhalten und unreflektierte Methodik. Doch, um die Verbreitung von Hiobsbotschaften geht es Dörner nicht. Vielmehr zeigt er mit „Logik des Misslingens: Strategisches Denken in komplexen Situationen.“, das Denken und Handeln erlernbar ist.

Zum „Schmöker des Monats“ ernannt, zeigt dieser Klassiker, dass den Irrungen und Wirrungen in Unternehmen eine große und unausweichliche Logik innewohnt: die Logik des Misslingens.

Und das ist auch gut so, solange wir uns von einer Nullfehlertoleranz verabschieden! Diesem Buch liegt zwar kein Zauberstab bei, aber es gibt einem die Chance und die Hilfsmittel sich nicht ausschließlich mit den ärgerlichen Knoten zu beschäftigen, sondern das gesamte Netz betrachten zu können.

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Zückt die Post Its! Für mehr Haptik im Büro.


Gärtner haben es gut. Handwerker auch und Modellbauer sowieso. Sie arbeiten täglich mit ihren Händen: bauen, kleben, graben, sähen und setzen. Sie nehmen ihre Arbeit sprichwörtlich in die Hand und am Ende des Tages sehen sie ihr Werk. Das lässt fast mutmaßen, dass sie gar nicht den Überblick verlieren können, weil sie stets ihren Arbeitsprozess vor Augen haben.

Post it ulli

Doch was ist mit all denen, die ihre Arbeit digital produzieren? Bei ihnen beschränkt sich die physische Berührung während der Arbeit höchstens auf das Tippen der Tastatur oder den Griff zum Telefon. Am Ende des Tages kommt dann häufig die Frage auf: „Was hab’ ich denn heute gemacht und geschafft?“. Die wenigsten erfreuen sich dann an ihrer prall gefüllten Excel-Tabelle und klopfen sich auf die Schulter…

Das Handwerk hat einen entscheidenden Vorteil zur digitalen Arbeitswelt: das Denken wird durch Haptik unterstützt. Die Arbeit mit Tastsinn löst Empfinden aus, schafft Verbindung und fördert einen kreativen Prozess.

Doch, wie ist mehr Haptik in der virtuellen Tätigkeit möglich? Ganz klar, mit einem beherzten Griff in die Post Its Kiste. Wer diese kleinen smarten Kleber lediglich für eine Spielerei hält, sollte einmal einen Blick hinter die Klebekulisse werfen. Post Its ermöglichen das Denken ganzer Gruppen zu organisieren und zu strukturieren. „Ja, aber das machen Meetings auch!“ Auf jeden Fall, allerdings haben diese die Eigenart auszuschweifen und sich in die Länge zu ziehen. Als Support können Post Its aufgrund ihrer Größe diese nervige Routine durchbrechen: kurze, knackige Aussagen gewähren uns den Fokus aufs Wesentliche. Die Arbeitsprozesse kommen schneller und leichter in den Fluss. Wir halten Gedanken und Ideen fest, wir nehmen sie in die Hand, heften sie an, hängen sie um, sehen sie an und verstehen durch Visualisierung.  Wir zerknüllen sie, wir notieren neu und sortieren flexibel um.

Am Ende des Tages werfen wir stolz mit den Armen in die Hüften gestützt einen Blick auf unser Werk: unsere Ideen und Gedanken in einem bunten, sicheren und sichtbaren Rahmen.

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ADIOL – a day in our V&T Life. Team-Challenge: Wirkungstraining


„Wir haben immer eine Wirkung – aber wir sollten sie aktiv gestalten.“ Daniela Schober.

Recht hat sie! Und so stellten wir uns der Herausforderung und holten uns Wirkungstrainerin Daniel Schober in unsere verwegenen Hallen.

wirkungs

Wir fordern von unseren Kunden häufig aus dem gewohnten Tun herauszutreten, neue Perspektiven einzunehmen und eine flexible Haltung zu wahren. Mit den unterschiedlichsten Methoden leben wir das als Team auch selbst. Nun jedoch war es an der Zeit diese Entwicklung auf eine tiefere Ebene zu bringen und uns individuell die Frage zu stellen: „Wie wirke ich überhaupt?“

Sich auf die Suche nach einer Antwort zu begeben, bedeutet, sich echtem Feedback auszusetzen. In den täglichen Arbeitsroutinen fragt man selten „Wie hab’ ich hier gerade gewirkt auf dich?“ und erhält so kaum Rückmeldung auf das eigene Wirken, sei es durch Kollegen oder Kunden. Das Meiste spielt sich leider nur im eigenen Kopf ab. Das hat Vor- und Nachteile: es bewahrt einen zwar vor negativer Kritik, allerdings hemmt es sowohl die eigene als auch die Entwicklung im Team.

Den ersten „Aha“- Effekt gab es für uns durch den theoretischen Input darüber, was Wirkung überhaupt ausmacht: Inhalt 7 %, Stimme 38 % und 58 % die Körpersprache. Das bedeutet, dass wir jederzeit die Chance haben den Inhalt durch unsere Körpersprache zu unterstützen.

Um einen Eindruck von unserer individuellen Wirkung zu bekommen, wurde als Erstes eine Kamera aufgestellt und jeder durfte 3 – 4 Minuten einen verwegenen Workshopeinstieg präsentieren (Begrüßung, Vorstellung, V&T Haltung). Im Anschluss führten wir uns diese Videos zu Gemüte – allerdings ohne Ton! Erst diese Einschränkung ermöglichte es uns, genau zu erfahren wie Körper und Mimik wirken.

Die nachhaltigste Erinnerung an das Training ist wohl die der Arbeit im eigenen Team. Es ist etwas ganz anderes, sich vor die eigenen Kollegen zu stellen, zu moderieren und zu präsentieren, als vor Fremden! Wir kennen uns ja und wissen sofort, was natürlich ist und was nicht. Es kommen ganz andere und neue Facetten zutage, die im täglichen Arbeiten meist verborgen bleiben, auch wenn bereits ein großer Teamzusammenhalt besteht und die Feedback Kultur stark ist. Eine wahre Challenge, wie wir im Training erfahren durften – aber eine sehr ‚wirkungsvolle‘.

 

 

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Eine feine „Spezies“ – Social Entrepreneurs

Wir haben diesen Monat wieder einmal kräftig im Social Impact Lab Leipzig mitgemischt und die ‚Spezies‘ der Social Entrepreneurs unterstützt. Vom Pitch-Training über Geschäftsmodellentwicklung bis hin zum Testen kritischer Annahmen im stets gut gemeinten Vorhaben begleiten wir die Teams an mehreren Workshop Tagen im Laufe ihres 8-monatigen Stipendiums am Lab.

Social typ

In dieser Zeit schärfen die Gründer*innen ihre Idee und arbeiten hart daran, diese als gefördertes Projekt oder tatsächlich als Geschäft schnell auf die Straße zu bringen.
Jedes Mal aufs Neue ist es spannend und bereichernd zu entdecken, was die Gründer*innen antreibt und mit welchen Ideen sie ans Lab kommen.

Es sind manchmal die fixen Ideen, und oft die sich häufenden Momente des „Muss DAS eigentlich so sein?“ und „Man müsste doch mal …“- s die mit der Zeit zu einer persönlichen Vision werden und einen Missstand, ein gesellschaftliches Problem, lösen wollen. Immer öfter sind es auch persönliche Geschichten, der Social Entrepreneurs: bedeutende Erlebnisse, besondere Begegnungen oder ganz einfach die Suche nach einer Arbeit mit Sinn, die sie dazu antreibt zu gründen, auch wenn sie „eigentlich nie ‚Unternehmer‘ werden wollten“.

Diese unternehmerische Bewegung, die zunächst vielleicht nach einer Mischung aus Steve Jobs und Mutter Theresa klingt, ist nicht hürdenfrei. Das Social Entrepreneurship hängt oft von Fördermitteln ab und kämpft mit längeren Entwicklungszeiträumen – denn ‚nebenbei‘ müssen die Gründer oft arbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern

Doch selbst, wenn das Finanzielle zunächst in Sack und Tüten ist, gilt es unternehmerische Herausforderungen auf dem Schirm zu haben, die sich dann doch von denen der ‚großen‘ Unternehmen gar nicht unterscheiden:
Wer ist eigentlich unser Kunde und was tun wir ihm Gutes mit unserem Angebot?
Wie kommen wir an ihn heran?
Wie organisieren & strukturieren wir uns als Unternehmen bestmöglich?
Wie finden wir zu uns passende Mitstreiter & Potentiale?

Da können die innovativen Gedankenflüge schon einmal Staub ansetzen, wenn versucht wird sie auf eigene Faust zu lösen.

Umso wichtiger sind folglich Institutionen wie u.a. die Social Impact Labs, die Stipendiaten Hilfestellung geben, um ihren Weg mit all’ dessen Hürden beschreiten zu können. Für mehr nachhaltige Zwischenfreu-Momente!

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Schmöker des Monats

EVERYBODY MATTERS: THE EXTRAORDINARY POWER OF CARING FOR YOUR PEOPLE LIKE FAMILY

Everybody Matters

Wir haben einmal Ulli Holzmann, unseren köl’schen V&Tler, über dieses Buch ausgefragt und an dieser Stelle schon einmal ein Spoiler: Sammel-Team-Bestellung ist nicht ausgeschlossen.
Wie der Titel bereits verrät, beschreibt dieses Buch eine Haltung in der jeder Mensch und somit jeder Mitarbeitende eines Unternehmens zählt.

Und zwar wirklich jeder. Eine solche Haltung zu entwickeln und konsequent umzusetzen, ist die wichtigste und verantwortungsvollste Aufgabe des Leaderships. Es erfordert klare Regeln zur Führungskultur, deren praktische Umsetzung und die Weiterbildung der Mitarbeitenden. Bob Chapman veranschaulicht wie entscheidend es ist, den Menschen ins Zentrum seines Handelns zu stellen und welche Effekte das hat: Loyalität und Zugehörigkeit. Eine Basis, welche Unternehmen insbesondere in schwierigeren Zeiten sehr gut gebrauchen können.

Das Beispiel über Barry-Wehmiller (globaler Anbieter für Ingenieursdienstleistungen und Fertigungstechnologien) beweist, dass diese Mixtur nicht nur etwas für hippe Start-Ups ist, sondern genauso für Großkonzerne mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden funktioniert. Mit einer Kombination aus mitarbeiterorientiertem Führungsstil, operativen Strategien und nachhaltigem Wachstum baute Barry Wehmiller ein Unternehmen auf mit gegenwärtig 2 Mrd. Dollar Umsatz und – das Wichtigste – einer gemeinsamen Vision unter den 11.000 Mitarbeitenden: durch ein rücksichtsvolles Verhalten einen angenehmen Umgang miteinander zu schaffen.

Everybody Matters ist grundsätzlich jedem zu empfehlen, der sich für Führung in Unternehmen interessiert. Menschen, die sich bereits mit Settings außerhalb des traditionellen Leaderships beschäftigt haben, können mit diesem Buch Inspiration finden außerhalb jeglicher Esoterik-Schiene, die man vermutlich beim Lesen des Titels zunächst vermutet.
Everybody matters zeigt auf, dass es sich lohnt, der intrinsischen Motivation seiner Mitarbeitenden zu vertrauen!

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„Train the trainer“ mit DULANI Business Center

… hieß es in unseren verwegenen Hallen und wir öffneten unsere Tore für eine Unternehmensberatung aus Saudi Arabien.

Dulani

 

Es ist kein Geheimnis, dass der einstige Wachstumsstar durch die sinkenden Ölpreise an Glanz verloren hat. Sparen ist angesagt und die Bevölkerung muss sich umstellen. Wenn bisher 90% der Haushaltseinnahmen aus dem Ölsektor stammen, dann ist es an der Zeit, die Wirtschaft zu diversifizieren. Deutschlands Wirtschaft ist stark durch seinen Mittelstand und dort insbesondere durch die sogenannten
„Hidden Champions“ – Weltmarkführer in spezifischen Nischen.

Diese sucht man in Saudi Arabien noch weitgehend vergebens. Das Dulani Business Center hat die Aufgabe, diese Leere zu füllen und wollte von Verwegener & Trefflich erfahren, wie KMUs in der Pionierphase funktionieren.
 
Als erstes „Train the Trainer“ Meeting stand „Methods to create commitment to action“ auf dem Plan und brachte bereits staunende Gesichter hervor. Mittels der Value Proposition Canvas waren spezifische Kundenbedürfnisse in passende Produkte zu übersetzen. Von der Definition der customer jobs ging es direkt in die Betrachtung möglicher pains: „Was können direkte Schmerzpunkte der Kunden sein? Sind es die zu hohen Kosten, eine zu große Lernkurve, die für Frustration sorgt oder sind es Sorgen um Datenschutz?“ Nach der Aufschlüsselung möglicher pains ging es in die Analyse der gains. Klingt nach Bodybuilding, trifft es jedoch nicht ganz. Es geht darum herauszufinden, was den Kunden glücklich macht. Also, was würde der Kunde erwarten? Welche Dinge hätte er gerne? Und was setzt er möglicherweise als Grundannahme voraus?

Wie so oft im Leben, sind auch in der Value Proposition Canvas Prioritäten zu setzen: wo liegen die großen Probleme und welche Probleme können zunächst hintenangestellt werden? Sowohl die pains als auch die gains sind nicht durch das reine Fantasieren und im stillen Kämmerlein herauszufinden. Das Motto lautete: Look from customers’ perspective and create value! Was bedeutet das? Mach’ dir die Hände schmutzig! Verlass’ deinen Schreibtisch! Kreiere einfache Modelle! Lade deine Kunden ein und lass’ dir schmerzhaftes aber wirkungsvolles Feedback geben.

Dulani lachend

Soweit die Theorie. In der direkten Praxis hieß es dann: Empathize with (potential) DULANI clients!
Ein „Train the Trainer“ bei dem wir uns alle sowohl auf der Trainer- als auch auf der Spielerseite befanden!

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Ein geglückter Pitch ist noch lange kein Happy End.

Über den Wert des Storytellings für die Organisationsentwicklung und Innovationsstrategien

Den Pitch optimal gemeistert, Investoren überzeugt, Unternehmen aufgebaut und nun Schluss mit der Geschichten-Erzählerei. Ab jetzt zählen nur noch die nackten Zahlen und Fakten! Nun ja, auf diese Rechnung kann dann als Empfängerin das Milchmädchen angegeben werden.

Es ist verwunderlich, aber das Geschichtenerzählen in der Organisationskultur wird unterschätzt und kaum genutzt. Anfangs wird dieses Tool ausprobiert und trainiert, um durch einen überzeugenden Pitch Investoren zu gewinnen, allerdings verkümmert dieses Können dann im Geschäftsleben jämmerlich. Dabei hängen sowohl die eigene Organisationsentwicklung als auch die Innovationsstrategien von Geschichten ab und lassen sich in ihnen erzählen.

“Eltern lesen ihren Kindern Geschichten vor, manchmal dieselben, die auch sie als Kinder bereits zu hören bekommen haben. Kollegen erzählen einander den neuesten Firmenklatsch (…) Doch wann haben Sie zum letzten Mal eine Geschichte gehört, die ein geschäftliches Thema einleiten und behandeln sollte?”

(Alexander Osterwalder & Yves Pigneur, 2011)

Über den Pitch hinaus

Storytelling ist eine Haltung, die wir gegenüber unserer Organisation und ihren Menschen einnehmen. Das geht weit über das “Tool-Dasein” hinaus. Denn in Geschichten drücken wir unsere Identität aus. Und in der Wiederholung und Veränderung der Geschichte machen wir Veränderung erlebbar und manifest zugleich.

Es geht darum, Storytelling dynamisch zu leben. Dein Team hat dann die Chance, selbst Teil der Geschichte zu werden und die Handlung mitzugestalten. Das stärkt die eigene Organisation und schafft Verbindungen innerhalb des Teams und damit: Identität  – und mit Sicherheit bleibt das länger in Erinnerung als die letzte Präsentation vom Meeting am Morgen.

In vielen Unternehmen herrscht die Kultur des Darstellens im positiven Licht und der stets paraten Lösungen. Doch schafft so etwas ehrliche Verbindung und bleibt in Erinnerung? Weder im Theater noch im Kino werden Geschichten erzählt, die nur von der grünen Wiese handeln und Lösungen auf dem Silbertablett servieren. Selbst im Schlaraffenland gab’s plötzlich Probleme über Probleme! Ansonsten wäre es vermutlich niemals weitererzählt worden. Wäre auch ein relativ kurzes Märchen geworden: Es war einmal ein König, der hatte einen Zauberknopf an seinem Pyjama und konnte damit sein ganzes Königreich fürstlich versorgen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Mit diesem Märchen hätten die Gebrüder Grimm keinen Taler verdient, denn Viralität gab’s bereits damals – auch ohne Internet.

Ein  Märchenerzähler fürs Team?

Im Storytelling wird nicht nur die faktische “Handlung” wiedergegeben, nein, es wird preisgegeben, was von wem gesehen, wie es erlebt und gedeutet wurde. In persönlichen, echten Bildern zu erzählen und eine Beziehung zur Geschäftsidee oder der neuen Strategie zu schaffen, zieht das Team in den Bann und wirkt glaubwürdig. In dem Moment teilen wir sowohl die Geschichte selbst als auch die persönliche Erfahrung und stellen somit eine emotionale Verbindung zueinander her. Das erzeugt Sichtbarkeit, Verletzlichkeit und wirkt glaubwürdig, wodurch das Gegenüber leichter erreicht wird als durch reine Fakten und Zahlen.

Archetypen – wie, jetzt auch noch die Bibel?

Ganz gleich, ob sich die neue Strategie einer Organisation durch alle Hierarchieebenen kämpfen muss oder die Mitarbeitenden von Veränderungen überzeugt werden wollen: eine gute Story basiert immer auf Archetypen oder archetypischen Mustern.

Ob Zauberer, Betrüger und Held oder Verrat, unerwiderte Liebe und die Frage nach dem Glück. Das sind alles Elemente mit einer dramaturgischen Funktion, vor allem aber sind es uralte Wesensmerkmale, die uns Menschen einen. Was wird der Held jetzt tun? Welche Hürde kommt noch auf ihn zu? Und wie soll er sie lösen? Diese Fragen sollen in den Köpfen der Zuhörenden schwirren. Die Identifikation mit dem Helden schafft es, dass die Zuhörer mitleiden, mitgrübeln und evtl. sogar innerlich helfen wollen – das baut Spannung auf!

 

Echte Stories für ein echtes Team

Natürlich hat Storytelling innerhalb der Organisation zunächst den gleichen Nutzen wie für einen Pitch: Call to Action. Doch während die Investoren im besten Fall dem Call to Pay nachgehen, stellt sich die Frage, welche Taten internem Storytelling folgen sollen.

Es sind nicht die direkten Taten, die der Mitarbeitende in seiner ersten Euphorie ausführen soll. Es geht vielmehr darum, dass eine Ebene entsteht, auf der sich niemand hinter einer Jargon-Fassade versteckt und eigentlich nichts von sich preisgibt.

Indem ein Team eine Geschichte zu seiner eigenen macht, auch indem es diese anpasst, persönlich verändert und weitererzählt, integriert es Neues in die eigene Identität und schafft damit und dabei Raum für Veränderung. Und für ein Handeln, bei dem das Team weiß, warum es was tut und vor allem wofür.

Mut zu Emotionen

Es erfordert Mut, sich als CEO oder als Teammitglied menschlich, verletzlich und mit Leidenschaft zu zeigen. Es erfordert Reife, zu erzählen, wie man persönliche Probleme und Herausforderungen durchlebt und diese dann auch anderen zu präsentieren. Es lohnt sich jedoch, eine Haltung innerhalb des Teams zu befördern, in der sich die Mitarbeitenden nicht gegenseitig übertrumpfen, sondern gemeinsam Varianten einer gemeinsamen Geschichte schreiben. Es lohnt sich Emotionen zu zeigen. Davon profitieren alle und nicht zuletzt die Innovationskraft des Unternehmens.

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